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Offener Brief des VFD Landesverbandes Sachsen zur Reitwegesituation
Sehr geehrter Herr Reelfs,
mit Verwunderung haben wir als Interessenvertreter der Wander- und Geländereiter zur Kenntnis genommen, das seitens des SMUL die auch zehn Jahre nach Inkrafttreten des Waldgesetzes nicht ausreichenden, nicht zusammenhängenden und auch von der Streckenführung bis über die tatsächliche Bereitbarkeit nur unzulänglichen Routen von Ihrem Haus als künftiges Reiterparadies propagiert werden. Wir beziehen uns auf die am 12.8. in verschiedenen sächsischen Medien abgedruckte Pressemitteilung Ihres Hauses, demnach Sachsen ein Eldorado für Reiter werden soll.
Tatsache ist, dass die meisten Reiter in Sachsen zeit- oder streckenweise bis heute illegal unterwegs sind, weil entweder in ihrer Umgebung kein Reitweg beginnt, einer irgendwo ohne Anschluss endet oder sie ebenfalls illegalerweise Wiesenränder oder Feldwege benutzen. Tatsache ist auch, dass rund 10 000 organisierte und rund 20 000 unorganisierte sächsische Reiter - von unzähligen und wechselnden ABM-Gruppen folgenlos befragt - längst die Hoffnung auf reale Reitmöglichkeiten begraben haben. 800 Kilometer tatsächlich offizieller Reitwege nach zehn Jahren und investierten Millionen. Das ist keine stolze Bilanz, sondern ein Armutszeugnis.
Während Saarland die Kennzeichnungspflicht für Pferde abschafft und sein Waldgesetz ändert, Berlin-Brandenburg nach den jüngsten Gesetzesänderungen gezielt Reittouristen in Naturparks lockt, Baden-Württemberg die Verdichtungsraumregelungen aufhebt, um nicht unsinnig zu verwalten, während wirklich reiterfreundliche Länder wie Bayern und Hessen mit ganzen Produktpaletten erfolgreich werben, gilt Sachsen bundesweit als Schrecken aller Pferdeleute. Betroffen davon sind momentan vor allem Höfe mit touristischer Ausrichtung oder solche, die auf artgemäße Haltung und naturnahe und die Natur respektierende Angebote bzw. Ausbildung setzen.
Mittelfristig betroffen sind aber von der geltenden Gesetzgebung beim Wald- und beim Naturschutzgesetz auch Landwirte, Sattler, Gastwirte, Schmiede, Zimmervermieter und die konventionellen Reiterhöfe. Nicht durch Verkaufsschauen sächsischer Pferde, spektakuläre Veranstaltungen oder eine (zusätzliche und neben bereits bestehenden topografischen neu installierte) neue Karte wird Sachsen zum Reiterland. Nicht das eine hochoffizielle Kringelchen um den Hof herum lockt Touristen.
Wir halten es für erforderlich, dass Mitarbeiter und Verantwortliche Ihres Hauses vor einer Bewertung der Reitrealität nicht nur auf Projekte und eingehende Berichte von Beratern und steuerfinanzierten Projekten sowie in die Dresdner Heide schauen, sondern auch mal den bestehenden wirtschafts- und tourismushemmenden Realitäten ins Auge sehen. Sachsen ist keinesfalls auf dem Weg, ein Reiterparadies zu werden. Im Gegenteil. Bundesweit laufen wir Gefahr, den Zug der Zeit und viele Möglichkeiten zu verpassen.
Mit freundlichen Grüßen und mit der Bitte um eine künftig realistischere Darstellung verbleibt,
Angelika Hoyer, Pressesprecherin der Vereinigung der Freizeitreiter Deutschlands
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